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Seit zehn Jahren gibt es im Kreis Höxter den Notarztträgerverein

„Es tut gut, in solch herausfordernden Zeiten auf eine echte Erfolgsgeschichte blicken zu können“, sagt Landrat Michael Stickeln und freut sich gemeinsam mit allen Verantwortlichen über das kleine Jubiläum „10 Jahre Notarztträgerverein im Kreis Höxter“. Eine Feier gibt es zwar wegen Corona nicht, aber unter den Tisch fallen soll die Erinnerung an ein Jahrzehnt erfolgreicher Arbeit keinesfalls.

Bei einem Treffen in der Rettungswache Brakel haben Landrat Michael Stickeln, Dr. Rolf Schulte als Vorsitzender des Notarztträgervereins und Matthias Kämpfer, Leiter des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Straßenverkehr, dieses großartige Kapitel in der Geschichte des Rettungsdienstes im Kreis Höxter noch einmal Revue passieren lassen. „Wir sind gemeinsam sehr stolz darauf, dass es gelungen ist, die notärztliche Versorgung im Kreis Höxter mit modernen Strukturen zukunftsfähig zu machen und zugleich eine stetige Qualitätssteigerung erzielt zu haben“, erklärt Stickeln.

Landrat Michael Stickeln, Dr. Rolf Schulte und Matthias Kämpfer stehen vor einem Notarztwagen.
Zehn Jahre Notarztträgerverein im Kreis Höxter: Gemeinsam freuen sich (von rechts) Landrat Michael Stickeln, Vereinsvorsitzender Dr. Rolf Schulte und Fachbereichsleiter Matthias Kämpfer über eine echte Erfolgsgeschichte. Foto: Kreis Höxter

Der Ursprung eines Notärztesystems im Kreis Höxter liegt in einer Vereinbarung, die 1984 zwischen der Stadt Höxter und der damaligen Kirchengemeinde St. Nicolai geschlossen wurde, um die notärztliche Versorgung im Stadtgebiet Höxter zu regeln. Der mit Ausnahme des Stadtgebiets Höxter für den Rettungsdienst im gesamten Kreisgebiet zuständige Kreis Höxter folgte acht Jahre später am Notarztstandort Warburg mit einer ähnlichen örtlichen Vereinbarung. Weitere zwei Jahre später kamen die Standorte Bad Driburg und Brakel sowie Steinheim hinzu. „Bedingt durch die weitreichenden Veränderungen der Krankenhauslandschaft im Kreis Höxter und die zunehmende Spezialisierung der einzelnen Krankenhausabteilungen gestaltete sich im Laufe der Jahre die Dienstplangestaltung für die Notärzte aber immer schwieriger“, blickt Dr. Rolf Schulte zurück. „Im Jahre 2009 zeichnete sich erstmals ab, dass nicht mehr jedes der fünf Krankenhäuser im Kreisgebiet seinen eigenen Notarztstandort 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr bedienen konnte.“

Internetbasierte Dienstplangestaltung

Weil die Dienstplangestaltung also nicht mehr ausschließlich manuell vor Ort erfolgen konnte, wurde intensiv nach neuen Möglichkeiten gesucht. Nach mehr als einjährigen Diskussionen wurde eine internetbasierte Dienstplangestaltung favorisiert. Diese sollte standortunabhängig funktionieren, um auch externe Notärzte einbinden zu können. „Und an dieser Stelle kommt der Notarztträgerverein ins Spiel“, erläutert Dr. Schulte. „Wir setzen die Idee um, das Planungsmodul mit Hilfe eines unabhängigen gemeinnützigen Vereins unter Leitung von rettungsdienstlich engagierten Ärzten zu betreuen. Dies geschieht im Rahmen einer Sicherstellungsvereinbarung mit dem Träger des Rettungsdienstes, dem Kreis Höxter.“

Am 9. Dezember 2010 erfolgte die formale Vereinsgründung, um zunächst im Stadtgebiet von Höxter die Versorgung sicherstellen zu können. Nach und nach wurde die Betreuung auf den gesamten Kreis ausgedehnt. Drei im Rettungsdienst erfahrene Ärzte bilden den Vorstand: Dr. Rolf Schulte, Oberarzt in der Unfallchirurgie der Katholischen Hospitalvereinigung Weser-Egge (KHWE), ist von Beginn an Vorsitzender, Dr. Michael Stoltz, niedergelassener Arzt in Höxter-Fürstenau, und Hendrik Fokke Hinrichs, Oberarzt Innere Medizin der KHWE, stehen ihm als Stellvertreter zur Seite. Zur Gründung konnte mit Frauke Meier eine engagierte Vereinssekretärin gewonnen werden, die bis heute erfolgreich ein Netzwerk interessierter Notärzte aufgebaut und gepflegt hat.

Start im Stadtgebiet Höxter

Erstmals hat am 1. Januar 2011 ein vom Notarztträgerverein angeworbener Notarzt seinen Dienst im Stadtgebiet Höxter angetreten, seit 2012 werden Brakel, Bad Driburg und der Bereich Steinheim sowie seit 2014 das Stadtgebiet Warburg notärztlich über den Trägerverein versorgt. „Insgesamt bestehen oder bestanden Kontakte zu etwa 200 Notärzten, von denen regelmäßig etwa 40 aktiv im Kreisgebiet tätig sind. Neben Krankenhausärzten handelt es sich um Ärzte aus dem niedergelassenen Bereich, den Rehakliniken und auch um ausschließlich als Notarzt tätige Kolleginnen und Kollegen“, erklärt Dr. Schulte.

Neben der Vermittlung der Notarztdienste übernimmt der gemeinnützige Notarztträgerverein auch für den Kreis Höxter die Auszahlung der ärztlichen Honorare. Die Honorierung erfolgt dabei nicht nach Zahl der geleisteten Notarzteinsätze, sondern nach insgesamt abgeleisteten Dienststunden. Die Notarzteinsätze selbst werden von der Rettungsleitstelle des Kreises über digitale Funkmeldeempfänger gesteuert. Neben der reinen Dienstplanbetreuung gehört es zu den Aufgaben des Notarztträgervereines regelmäßig notärztliche Fortbildungsveranstaltungen anzubieten zu aktuellen interdisziplinären Themen. „Dabei wird sehr viel Wert gelegt auf eine gute Zusammenarbeit aller am Bevölkerungsschutz beteiligten Einrichtungen wie Feuerwehr, Notfallfallseelsorge, Gesundheitsamt, DLRG, THW, DRK, Malteser, Höhenretter und auch der Polizei sowie der Ordnungsbehörden“, betont Dr. Schulte das funktionierende Hand-in-Hand-Arbeiten bei Notfällen. „Normalerweise, also außerhalb von Pandemiezeiten, finden diese gut besuchten Fortbildungen vierteljährlich statt.“

Durchschnittlich 5.600 Einsätze

Von den jährlichen Gesamtkosten des Rettungsdienstes für den Kreis Höxter in Höhe von 18 Millionen Euro fließen rund 3,5 Millionen in die notärztliche Versorgung. Davon entfallen 1,7 Millionen Euro auf den Notarztträgerverein Höxter und 1,8 Millionen auf Ausstattung, wie zum Beispiel Räume und Fahrzeuge, sowie Personalkosten für Rettungsassistenten für die Notarzteinsatzfahrzeuge. Welche Bedeutung ein gut funktionierendes Notarztsystem hat, veranschaulicht der zuständige Fachbereichsleiter Matthias Kämpfer mit schlichten Zahlen: „Seit Bestehen des Notarztträgervereins, also von 2011 bis 2020, sind insgesamt 56.346 Notarzteinsätze der Wachen Bad Driburg, Brakel, Höxter, Steinheim und Warburg angefallen. Das sind im Jahr durchschnittlich mehr als 5.600 Einsätze!“ Es stecke eine enorme organisatorische Leistung dahinter, rund 15 reibungslose Einsätze am Tag zu koordinieren. „Kein Wunder, dass unser Modell bundesweit inzwischen mehrfach kopiert worden ist“, klingt auch ein bisschen Stolz mit in seiner Stimme. Zehn Jahre Notarztträgerverein – eine echte Erfolgsgeschichte, von der vor allem Menschen in höchster Not profitieren.