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Hygiene-Experte: „Harnwegskatheter können Infektionsrisiken bergen“

Für das über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Hygiene-Forum hat der Kreis Höxter einmal mehr renommierte Referenten gewinnen können. Rund 120 Vertreterinnen und Vertreter vieler Gesundheits- und Pflegeberufe sowie der Krankenhäuser der Katholische Hospitalvereinigung Weser-Egge und des Helios Klinikums Warburg folgten in der Aula des Kreishauses interessiert den Ausführungen zu neuesten Erkenntnissen auf dem weiten Gebiet der Hygiene.

Ihre Freude über die sehr gute Resonanz brachten auch der Leiter des Gesundheitsamts des Kreises Höxter, Dr. med. Ronald Woltering, und Gregor Hoffmann von der Höxteraner Firma hycom Hygiene + Service GmbH zum Ausdruck. Von Beginn an ist das Unternehmen bewährter Partnern des Kreises Höxter bei der Durchführung des Hygiene-Forums.

Freuten sich über eine voll besetzte Aula beim Hygiene-Forum im Kreishaus Höxter (von links): Dr. med. Ronald Woltering (Leiter des Gesundheitsamt des Kreises Höxter), Prof. Dr. med. Günter Kampf, Peter Bergen, Dr. med. Armin Kuhlencord, Michael Rüsenberg, Dr. med Thorsten Diercks und Gregor Hoffmann.

Auf großes Interesse – besonders bei den Pflegekräften – stieß der Vortrag von Peter Bergen, Hygiene-Experte vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt. Der Referent verdeutlichte, wie durch Harnwegskatheter das Infektionsrisiko steigt. „Jede Harndrainage führt dazu, dass es im Urin des Patienten zu einer starken Bakterienvermehrung kommt. Dieses Risiko lässt sich nicht vermeiden“, erläuterte Berg. Es drohten Harnwegsinfektionen. „Deshalb ist ein Harnwegskatheter nur dann zu empfehlen, wenn er wirklich nötig ist“, so der Hygiene-Experte. Häufig werde ein Katheter besonders bei älteren Patienten verordnet, ohne dass immer eine medizinische Begründung besteht. „Inkontinenz alleine ist kein Grund für einen Katheter“, fasste Bergen seine Kritik zusammen. Als beispielhaft nannte er zwei „katheterfreie“ Pflegeheime, die sehr positive Erfahrungen mit dem Verzicht auf Harnwegskatheter gemacht haben.

Prof. Dr. med. Günter Kampf vom Bode Science Center aus Hamburg sprach in seinem Vortrag eine häufig unbeachtete Brutstätte für Keime und Bakterien in Krankenhäusern an: die Spendersysteme für Desinfektionstücher. Bei Untersuchungen habe sich herausgestellt, dass viele dieser Spenderboxen stark keimbelastet sind. „Der Grund dafür ist die falsche Reinigung dieser Boxen vor der Neuauffüllung“, erklärte Prof. Dr. Kampf seinem Publikum. Eine gründliche Aufbereitung mit heißem Wasser und einem alkoholhaltigen Desinfektionsmittel könne das Risiko einer Keimbelastung minimieren.

Um multiresistente Erreger – also Keime, die etwa gegen mehrere verschiedene Antibiotika unempfindlich sind – ging es in den Vorträgen von Dr. med. Thorsten Diercks, Chefarzt der Asklepios Weserbergland-Klinik Höxter, und Michael Rüsenberg, Hygienefachkraft von hycom. Die Referenten erläuterten, was die neuen Hygiene-Richtlinien des Robert-Koch-Instituts für Kliniken, Reha-Einrichtungen und Pflegeheime bedeuten. Der Labormediziner und Krankenhaushygieniker Dr.med. Armin Kuhlencord aus Paderborn referierte über die unterschiedliche regionale Häufigkeit der gefährlichen Keime. Dabei verwies er auf die besondere Bedeutung der Krankenhaushygiene zur Prävention von Krankenhausinfektionen.

Über den aktuellen Stand der Aktion „Saubere Hände“ informierte Gregor Hoffmann. Die bundesweite Aufklärungskampagne läuft seit fünf Jahren und zielt darauf ab, das Bewusstsein des Personals in Gesundheitseinrichtungen für Händedesinfektion zu schärfen. „Wir haben mit der Aktion viel erreicht, aber sind noch nicht am Ziel. Statistiken belegen, dass sich das Mitarbeiterverhalten zwar etwas geändert hat. Nur damit ein tatsächlicher Effekt auf die Infektionsrate mit multiresistenten Erregern eintritt, müssen wir noch mehr Menschen erreichen“, so Hoffmann. Die Desinfektion der Hände sei die wichtigste Maßnahme um zu verhindern, dass sich Patienten in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen mit aggressiven Bakterien infizieren.

Vor Beginn der Veranstaltung und während der Pausen konnten sich die Teilnehmer in einer kleinen Industrieausstellung über neue Produkte informieren. Dieses Angebot traf auf reges Interesse.