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Referenzpraxis soll Erkenntnisse liefern: Kann Telemedizin funktionieren?

Landrat Friedhelm Spieker hat Anfang des Jahres die Initiative ergriffen, um gemeinsam mit der Ärzteschaft rechtzeitig Maßnahmen für eine Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung zu entwickeln.

Mit Hilfe einer großzügigen Spende der Vereinigten Volksbank will der Kreis Höxter nun ausprobieren, welche Rolle die Telemedizin dabei spielen kann und gemeinsam die Weiterentwicklung des ländlichen Raums vorantreiben. Dazu konnte die Gemeinschaftspraxis Dres. med. Arens und Hoffmann in Scherfede gewonnen werden, um als Referenzpraxis entsprechende Erkenntnisse zu gewinnen.

„Wir müssen bei der ärztlichen Versorgung der Menschen im Kreis Höxter am Ball bleiben“, sagt Spieker. Nach der Einrichtung einer Koordinierungsstelle sollen die Aktivitäten nun noch ausgeweitet werden. „Theorien helfen auf Dauer nicht weiter – wir wollen ganz praktisch ausprobieren, wie Telemedizin eingesetzt werden kann.“ Seine Freude ist deshalb groß, dass die Vereinigte Volksbank den Kreis Höxter bei diesem Vorhaben unterstützt, hätte dieser Versuch sonst doch nicht umgesetzt werden können.

Bild Telemedizin
Sind gespannt, welche Erkenntnisse das Ausprobieren von telemedizinischen Maßnahmen in der Referenzpraxis aus Scherfede bringen: Dr. Elmar Arens (l.), Dr. Alexander Hoffmann (r.), Birger Kriwet von der Vereinigten Volksbank (2. v. r.) und Landrat Friedhelm Spieker. Foto: Kreis Höxter

„Die enge Verbundenheit zu unserer Heimatregion sowie die zukunftsorientierte Ausrichtung des Projektes haben uns die Entscheidung für eine Spende leicht gemacht“, erklärt Birger Kriwet vom Vorstand der Bank, der sich dabei sozusagen als Pate für das Projekt sieht. „Gerade auch der Einsatz neuer Technologien war eine zusätzliche Motivation, schließlich wollen wir auch die guten Ideen aus dem Projekt SmartCountrySide in den Musterdörfern mit Schulungen und weiteren Angeboten unterstützen.“

Wandel durch Digitalisierung erreicht die Medizin und die Gesundheitsversorgung

„Der Deutsche Ärztetag hat das Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung gelockert, so dass Ärzte künftig ihre Patienten ohne vorherigen persönlichen Erstkontakt telefonisch oder per Internet behandeln können“, erläutert Landrat Friedhelm Spieker. „Das war ein klares Votum für den Ausbau der Telemedizin.“ Er geht davon aus, dass die Telemedizin in Deutschland einen Schub erhalten wird, weil rechtliche Grauzonen beseitigt wurden und Ärzte mehr Handlungsspielräume erhalten. So sieht es auch Dr. Alexander Hoffmann: „Der dramatische Wandel durch die Digitalisierung hat längst auch die Medizin und die Gesundheitsversorgung erreicht. Es ist also gut, wenn wir dieses Thema aktiv angehen und eigene Erfahrungen sammeln. Dabei ist uns trotzdem allen klar: Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt stellt weiterhin den ,Goldstandard‘ ärztlichen Handelns dar.“ Deshalb solle die Fernbehandlung grundsätzlich an die Niederlassung in einer Praxis gebunden werden, fordert er. „Wichtig ist auch, dass Patienten zeitnah persönlich einen Arzt sprechen können.“

Bei dem Projekt sollen die Möglichkeiten zur Prozessoptimierung getestet werden: Wie weit können die vorhandenen Hausärzte entlastet werden? Aber auch die Nachwuchsförderung steht bei diesem Projekt im Fokus, schließlich unterstreicht der Einsatz modernster Technik die Attraktivität der Region für junge Mediziner. Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Vorbereitung ganz allgemein auf neue Entwicklungen bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens, wie zum Beispiel elektronische Gesundheitskarten und Rezepte.

„Im digitalen Zeitalter und angesichts der wachsenden Akzeptanz von Onlinediensten in der Bevölkerung ist der Zusatznutzen einer internetgestützten Fernbehandlung nicht von der Hand zu weisen“, sagt Caroline Fechner vom Kreis Höxter, die in der Koordinierungsstelle die Fäden für alle Aktivitäten in der Hand hält und als zentrale Ansprechpartnerin auch bei diesem Projekt dient. „Telemedizinische Angebote können die Versorgung sinnvoll ergänzen und Patienten sowie Ärzte entlasten. Den Patienten werden unnötige Wege und Wartezeiten erspart“, erläutert Fechner, „die telemedizinischen Anwendungen können somit in vielen Bereichen einen echten Mehrwert für Patienten darstellen.“ Genauso wie Dr. Elmar Arens sieht sie diese als unterstützenden Anteil ärztlichen Handelns: „Telemedizinische Methoden in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sollen ärztliches Handeln nicht ersetzen.“


Was ist eigentlich Telemedizin?

Telemedizin ist ein Sammelbegriff für verschiedenartige ärztliche Versorgungskonzepte, die als Gemeinsamkeit den grundlegenden Ansatz aufweisen, dass medizinische Leistungen der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Rehabilitation sowie bei der ärztlichen Entscheidungsberatung über räumliche Entfernungen hinweg erbracht werden. Hierbei werden Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt.
Telemedizinische Methoden finden einen zunehmend breiteren Einsatz in der Patientenversorgung in Deutschland. Das Spektrum dieser modernen Versorgungsformen umfasst mittlerweile nahezu alle medizinischen Fachgebiete. Deutlich macht das vielleicht ein Beispiel: Das Medizinische Fachpersonal besucht einen Patienten in häuslicher Umgebung. Die Bilddokumentation einer chronischen Wunde wird mittels Smartphone aufgenommen und sicher an die Arztpraxis zur Dokumentation / Interpretation oder für Rückfragen an den Arzt übermittelt.