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Ausstellung „Europa, der Krieg und ich“ im Kreishaus in Höxter

In diesem Jahr blickt der Volksbund Deutsche Kriegsgräber auf eine 100-jährige Geschichte zurück, die untrennbar mit der deutschen Geschichte in diesem Zeitraum verbunden ist. Noch bis zum 27. Juni ist deshalb die Ausstellung „Europa, der Krieg und ich“ im Foyer des Kreishauses in Höxter zu sehen, die einen guten Einblick in die Arbeit des Volksbundes bietet.

Gegründet im Dezember 1919 als privater Verein zur Pflege der Soldatengräber des Ersten Weltkrieges, übernahm er im Laufe des 20. Jahrhunderts zunächst die Aufgabe, sich um die Gräber der deutschen gefallenen Soldaten und um die Betreuung der Angehörigen zu kümmern. Er hat das Gefallenengedenken nach den beiden Weltkriegen maßgeblich geprägt und den Wandel der deutschen Erinnerungskultur mitgestaltet. Heute umfasst Kriegsgräberfürsorge die Pflege der Gräber aller Toten von Krieg und Gewaltherrschaft, das öffentliche Gedenken und Mahnen für den Frieden. Ein besonders wichtiges Anliegen ist dem Volksbund die Jugend-, Schul- und Bildungsarbeit, die zum Ziel hat, Friedensfähigkeit und Verständigungsbereitschaft zu fördern.

Versöhnung über den Gräbern
Die Ausstellung spannt den weiten Bogen vom Beginn der Kriegsgräberfürsorge in Europa im späten 19. Jahrhundert, über die konkreten Aufgaben, die aus dem massenhaften Sterben in den beiden Weltkriegen erwuchsen, bis hin zu der „Versöhnung über den Gräbern“ und den heutigen ersten Ansätzen gemeinsamen europäischen Gedenkens.

Stellwand_Ausstellung_100_Jahre_Volksbund_Deutsche_KriegsgräberfürsorgeDie Besucherinnen und Besucher können sich mit insgesamt 21 inhaltlichen Schwerpunkten auseinandersetzen. Auf den Stellwänden finden sich so die Kernarbeitsbereiche und wichtige Etappen der Verbandsgeschichte dargestellt. Dazu gehören beispielsweise die Gründungsphase in der Weimarer Republik und die willige Andienung an das nationalsozialistische Gewaltregime, die Kontinuitäten und Brüche nach 1945 sowie das erweiterte Aufgabenfeld nach der Öffnung Osteuropas. Es geht um die Toten-Umbettung und Identifizierung, Gestaltung von Kriegsgräberstätten, nationale und internationale Workcamps, Spendenaktionen, Initiativen für Friedensarbeit und Fragen der Erinnerungs- und Gedenkkultur.

Die Ausstellung macht deutlich, dass Krieg kein weit entferntes Phänomen ist, sondern sehr rasch real werden kann. Jede Besucherin, jeder Besucher ist vor die ganz persönlichen Fragen gestellt: Was kann ich tun für meine und die kommenden Generationen? Wie kann ich beitragen für ein friedliches Zusammenleben?

Gestaltung ermöglicht verschiedene Perspektiven
Der Gestaltung der gesamten Ausstellung liegt ein einheitliches Grafikkonzept zugrunde, welches die Besucherinnen und Besucher stets in ein unmittelbares Verhältnis zu den Ausstellungsinhalten bringt. Je nach Perspektive nimmt man eine RÜCKBLICK-Position (alle rot eingefärbten Elemente) oder eine AUSBLICK-Position (alle blau eingefärbten Elemente) ein – und kann so die eigene Gegenwart prüfend einbringen. Die Schau mit ihren vielen spannenden Inhalten und Perspektiven verweist auf die Kernkompetenzen des Volksbundes, vor allem aber lässt sie eines deutlich werden: Alles Tun ist mit den Lebensgeschichten und Schicksalen vieler einzelner Menschen und ihrer Angehörigen verbunden. Alle Bemühungen zielen letztlich darauf, den Toten ihre Namen zurückzugeben und damit zu Trauerbewältigung und Versöhnung beizutragen.

Krieg ist kein Zustand, den wir in Europa für alle Zeiten überwunden haben. In der Ukraine wird seit mehreren Jahren ein blutiger Konflikt ausgetragen. Nationalistische Kräfte in ganz Europa stellen Menschenrechte und freiheitliche Werte in Frage. Frieden ist immer fragil, nie eine Selbstverständlichkeit, ein Zustand, für den jeden Tag gearbeitet werden muss. „Frieden braucht Mut“, darauf will der Volksbund im 100. Jahr seines Bestehens hinweisen – auch und ganz besonders mit dieser Ausstellung.


Gegenwart reflektieren – Zukunft gestalten!
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist als Verein ein Teil unserer Gesellschaft und unterliegt wie sie einem stetigen Wandel. Als Akteur der Erinnerungspolitik leistet er einen wesentlichen Beitrag zur lebendigen Gedenkkultur in Deutschland und Europa und passt sich gleichzeitig auch immer wieder den Veränderungen der Erinnerungskultur an. Jahrestage bieten Gelegenheit zur Standortbestimmung. So führten verbandsinterne Überlegungen vor 50 Jahren zum „Berliner Manifest“, die Debatten im Vorfeld des 100-jährigen Bestehens zum aktuellen Leitbild.

Das „Berliner Manifest“ von 1969 spiegelt schon in der grafischen Gestaltung wider, dass die Arbeit für Frieden und Versöhnung nun als Kernziel des Volksbundes angesehen wurde. Gleichzeitig trägt das Manifest der Revision des Kriegsgräbergesetzes von 1965 Rechnung und nimmt alle Toten des Krieges und der Gewaltherrschaft in sein Gedenken auf. Auffallend ist die Betonung der Jugend, die durch ihre Arbeit auf Kriegsgräberstätten der Versöhnung zwischen den Völkern dienen soll. Gleichzeitig wird aber auch – angesichts der starken zu jener Zeit stattfindenden Studentenbewegung – zur Verständigung zwischen den Generationen gemahnt.

Das im September 2016 verabschiedete Leitbild des Volksbundes bekennt sich in äußerster Klarheit zu den Verbrechen des Nationalsozialismus und setzt sich mit der Frage der persönlichen Verantwortung auseinander. Verleugnung soll ebenso wenig Platz haben wie pauschale Schuldzuweisungen. Erinnern an die Toten ersetzt ehrendes Gedenken. Das öffentliche Gedenken wird nun mit der Mahnung für den Frieden verbunden. Noch stärker als zuvor verortet der Volksbund seine Versöhnungsarbeit im internationalen und europäischen Kontext und betont das Bekenntnis zu den Werten, die im Grundgesetz und in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union verankert sind.

Gemeinsam für den Frieden
Krieg ist immer mit unvorstellbar großem Leid und oft mit schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit verbunden. Gerade der Zweite Weltkrieg hinterließ unfassbares Entsetzen, millionenfachen Tod, Trauer und einen verwüsteten Kontinent.

Die beiden Weltkriege haben schmerzlich bewiesen, dass ohne Erinnerung, ohne das Lernen aus der Geschichte keine Versöhnung und damit auch kein dauerhafter Frieden möglich ist. Versöhnung wiederum ist eine Voraussetzung für Frieden. So wurde es zur Aufgabe des Volksbundes, nicht nur die Toten der Weltkriege zu suchen und würdig zu bestatten, sondern sich für die Versöhnung über den Gräbern, für Verständigung zwischen den Völkern und für die Arbeit für den Frieden zu engagieren. Dennoch bleibt es schwer, Frieden zu schaffen und zu erhalten.

Dazu braucht man Mut.
Der Volksbund lädt unter diesem Motto gemeinsam mit seinen Partnern dazu ein, die hundertjährige Geschichte des Volksbundes zu entdecken – aber auch, wie er in der Gegenwart arbeitet und was er für die Zukunft plant.

Ein Video zum Thema gibt es hier: www.100-jahre-volksbund.de
Weitere Informationen zum Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gibt es hier: www.volksbund.de


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