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Ausstellung „Lebendige Gewässer in NRW“ unterstreicht Bedeutung für Engagement

Die ausgezeichnete Wanderausstellung „Lebendige Gewässer in NRW“ ist noch bis zum 12. Juni im Kreishaus in Höxter zu sehen. „Damit wird sozusagen eine überaus erfolgreiche Maßnahme gekrönt, die uns in den letzten zehn Jahren begleitet hat – das Gewässerentwicklungsprojekt Kreis Höxter“, sagte Landrat Friedhelm Spieker zur Ausstellungseröffnung.

„Ihr Gewässerentwicklungsprojekt besitzt absoluten Vorbildcharakter“, lobte auch Eva Pier von der Natur- und Umweltschutz-Akademie, die die Ausstellung konzipiert hat.

„Über welche Bedeutung und Dimensionen wir dabei sprechen, verdeutlicht schon eine einzige Zahl: Seit Ende 2008 sind neun Millionen Euro an Fördermitteln für Hochwasserschutz und Gewässerentwicklung in unser Kulturland geflossen“, sagte Landrat Friedhelm Spieker. Aufgrund der überzeugenden Ergebnisse blickte er noch einmal auf die vergangenen zehn Jahre zurück. Der Startschuss fiel im Jahr 2000 mit der EG-Wasserrahmenrichtlinie, die festlegte: Gewässer müssen bis 2027 in „ökologisch gutem Zustand“ sein. Dabei ging es um Bäche/Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser.

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Nach zehn erfolgreichen Jahren Gewässerentwicklungsprojekt im Kreis Höxter wird im Kreishaus die Ausstellung „Lebendige Gewässer in NRW“ gezeigt. Darüber freuen sich (von links): Rainer Runte von der Bezirksregierung Detmold, Dr. Kathrin Weiß vom Kreis Höxter, Leiterin der Abteilung Umweltschutz und Abfallwirtschaft, Thomas Stock vom Jobcenter, Eva Pier von der Natur- und Umweltschutz Akademie und Landrat Friedhelm Spieker. Foto: Kreis Höxter

„Doch was bedeutet ökologisch guter Zustand?“, fragte Spieker und führte die Ziele noch einmal vor Augen: Das Wasser selbst, aber auch das „Drumherum“ muss gut sein, das heißt, die Lebensgemeinschaften im Wasser (Fische, Kleintiere und Wasserpflanzen) sollen annähernd so sein als wären sie wie unbeeinflusst durch den Menschen. „Bei uns im Kulturland Kreis Höxter sind 44 Flüsse und Bäche direkt betroffen – zum Beispiel Diemel, Nethe, Emmer, aber auch kleinere Bäche wie Kleinenbredener Bach (Marienmünster) oder Eselsbach (Borgentreich)“, erläuterte Spieker. „Der größte Fluss, die Weser, liegt allerdings nicht in der Zuständigkeit des Kreises, da es sich um eine Bundeswasserstraße handelt.“

Zusammenarbeit der kommunalen Familie
Die sogenannte „berichtspflichtige“ Gewässerlänge beträgt rund 450 Kilometer, der Zustand muss über das Land regelmäßig nach Brüssel berichtet werden. Zuständig für die Umsetzung sind die Städte des Kreises Höxter. „Da wir bei uns im Kreis gewohnt sind, in der kommunalen Familie zusammenzuarbeiten, wurde bereits 2008 das Gewässerentwicklungsprojekt gegründet“, erinnerte er an das Entstehen der Kooperation aus den zehn Städten und dem Kreis, um die Städte bei der Umsetzung zu unterstützen. „Somit ist es uns gelungen, 2010 als erster Kreis in ganz Nordrhein-Westfalen ein Handlungskonzept aufzustellen.“

Größere Maßnahmen werden durch die Städte ausgeschrieben und umgesetzt, zum Teil mit Unterstützung des Gewässerprojekts und Begleitung der Bezirksregierung, wie aktuell zum Beispiel an Diemel, Eder, Nethe und Emmer zur Flächenbereitstellung. Die Förderung aus Landesmitteln mit bis zu 90 Prozent übernimmt ebenfalls die Bezirksregierung. Als Beispiele für umgesetzte Maßnahmen im Kreis Höxter nannte Spieker die Renaturierungen an der Eder bei Borgentreich-Großeneder (1,3 Millionen Euro), der Nethe am „Trompetersprung“ bei Brakel-Rheder (260.000 Euro), am Hilgenbach in Bad Driburg (200.000 Euro) sowie die Flurbereinigung an der Diemel bei Warburg, bei der 670.000 Euro für Flächenerwerb eingesetzt wurden.

Sinnvoll eingesetztes Geld
Für die Umsetzung des Gewässerprojektes wurden der Kreisverwaltung seit 2008 insgesamt 3,2 Millionen Euro Landesfördermittel zur Verfügung gestellt.  „Die aktuelle Förderung läuft Ende des Jahres zwar aus – wir als Kreis würden das Projekt aufgrund des großen Erfolges aber gerne weiterführen und sind sehr froh, dass uns eine weitere Förderung durch das Land in Aussicht gestellt wurde“, gab Landrat Spieker bekannt. „Denn hier handelt es sich um sinnvoll eingesetztes Geld, schließlich konnten kreisweit mehr als 230 Maßnahmen zur Gewässerverbesserung an 43 Gewässern durchgeführt werden.

Als typische Maßnahmen des Gewässerprojektes nannte er zum Beispiel die Rücknahme von Uferverbau zur eigendynamischen Entwicklung der Gewässer, die Herausnahme von Verrohrungen, den Ersatz von landwirtschaftlichen Überfahrten durch gewässerverträgliche Furten, die Abflachung und Aufweitung von Uferbereichen, das Setzen von Ufergehölzen, die Entnahme von Bauschutt, den Einbau von Totholz, Faschinen und Wurzeltellern als Strömungslenker und Fischunterstände sowie die Anlage „rauer Gleiten“ an Absturzkanten im Gewässer, die als Fischaufstiegshilfe und sogenannte „Rollstuhlrampen“ für Fische bekannt sind. Zahlreiche Beispiele sind als Bilder in der Ausstellung wiederzufinden.

„Was auf den Bildern nicht deutlich wird, ist die Tatsache, wie harmonisch das Projekt bei uns im Kreis funktioniert“, sagte Spieker und wies darauf hin, dass alle Maßnahmen immer im Einvernehmen mit Eigentümern, Pächtern, Anliegern, Landwirtschaft, Naturschutz und Fischerei laufen. Die Abstimmung der Maßnahmen erfolgt im projektbegleitenden Arbeitskreis, der breit aufgestellt ist und zweimal jährlich tagt. Mitglieder sind die zehn Städte, Bezirksregierung, Landwirtschaftskammer, Landschaftsstation, Landesfischereiverband, Kreisfischereiberater sowie die Naturschutz- und Wasserbehörde.

Erfolgreiches Beschäftigungsprojekt
Ein wichtiger Baustein für den großen Erfolg ist die Besonderheit, dass das Gewässerentwicklungsprojekt durch das Jobcenter gleichzeitig als Beschäftigungsprojekt für Langzeitarbeitslose anerkannt ist. Bis zu zwölf Teilnehmer arbeiten in zwei Baukolonnen (Nord-/Südkreis) unter Anleitung je eines Vorarbeiters des Kreises. Sein Dank galt dafür Olaf Höchel und Hartwig Lücke, die sich vorbildlich engagieren. Ausgewählt und vorbereitet werden die Maßnahmen vom Projektbüro, das mit Christian Schröer und Dr. Stefan Krooß kompetent besetzt ist, auch ihnen galt sein herzlicher Dank.

Insgesamt ergibt sich eine echte Win-Win-Situation: Die Arbeitslosen erhalten sinnvolle Aufgaben und erwerben Fachkenntnisse aus Garten-, Landschafts- und Gewässerbau. Die Gesellschaft profitiert von der Rückführung von Arbeitskräften in den ersten Arbeitsmarkt und kann sich über die ökologische Verbesserung der Gewässer freuen. „Ich weiß, dass es manchmal im Vorfeld Skepsis bei den Teilnehmern gibt und eine gewisse Überzeugungsarbeit erforderlich ist, jedoch herrscht nach der Umsetzung bislang ausnahmslos Zufriedenheit“, wusste Spieker zu berichten.

Bilanz kann sich sehen lassen
„Unsere Bilanz kann sich sehen lassen. Bis heute wurden im Kreis Höxter etwa 180 Personen in der Maßnahme geschult, davon wurden 49 mindestens zeitweise in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt“, so Spieker. „Wir selbst als Kreis Höxter haben sechs Teilnehmer übernommen – einen dauerhaft und fünf vorerst befristet. Auch wenn die Aussichten für Langzeitarbeitslose am Arbeitsmarkt momentan so gut sind wie lange nicht, bleibt es dennoch schwierig.“ Eine fundierte Ausbildung sei nach wie vor der beste Weg für einen sicheren Arbeitsplatz. Der Landrat nutzte die Gelegenheit, den Mitarbeitern an dem Projekt seinen Respekt zu zollen. „Sie erledigen eine körperlich anstrengende Arbeit ganzjährig im Freien bei fast jeder Witterung. Größtenteils in Handarbeit haben sie sehr gute und nachhaltige Arbeitsergebnisse erreicht.“

Fakt bleibt allerdings, so Spieker: „Fachleute sind sich einig, dass trotz aller Anstrengungen das Ziel der Wasserrahmenrichtlinie bis 2027 absehbar nicht erreicht werden wird.“ Dazu zitierte er das Umweltbundesamt, das für 2018 festgestellt hat, dass sich europaweit etwa 40 Prozent der Gewässer in gutem Zustand befinden, deutschlandweit seien es nur neun Prozent der Wasserkörper. Im Kreis Höxter liegt die Quote aktuell bei sieben Prozent. Drei von 43 Gewässern sind also in gutem Zustand: Schwarzbach und Hammerbach bei Warburg-Scherfede sowie der Mühlenbach bei Nieheim/Bad Driburg. „Es ist also nach wie vor viel zu tun!“

Ausstellung auch für Schüler interessant
Wie es im gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen aussieht, vermittelt sehr gut die Wanderausstellung „Lebendige Gewässer in NRW“ von der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (NUA) in Recklinghausen. Diplom-Landschaftsökologin Eva Pier, die sich bei der NUA um die Bereiche Umwelt-, Gewässer- und Bodenschutz kümmert, fand ebenfalls nur lobende Worte für das Gewässerentwicklungsprojekt im Kreis Höxter: „Ich kenne kein Projekt, das so integrativ ist. Die sehr gute Zusammenarbeit aller Beteiligten ist vorbildlich. Der Kreis Höxter ist auf einem sehr guten Weg!“

Die Wanderausstellung „Lebendige Gewässer in NRW“ macht auf die Bedeutung eines nachhaltigen Gewässerschutzes aufmerksam. „Sie will dabei Informationen vermitteln, Emotionen wecken, das Bewusstsein stärken und die Handlungsbereitschaft für mehr lebendige Gewässer fördern“, erläuterte Pier. Mit eindrucksvollen Bildern, Modellen, Filmen und interaktiven Lernstationen wendet sich die Ausstellung an ein breites Zielpublikum. Sowohl Erwachsene als auch Kinder werden auf geeignete Weise angesprochen. Sollten Schulen Interesse haben, sich mit Schulklassen die Ausstellung anzusehen, können sie sich an Dr. Stefan Krooß wenden. Es gibt Fragebögen für Grundschule, Sek I und Sek II sowie auch Lösungsbögen für die Lehrer. So können die Schüler die Fragen während des Besuchs der Ausstellung bearbeiten. Dr. Stefan Krooß ist beim Kreis Höxter zu erreichen unter der Telefonnummer 05271 / 965-4468 oder per E-Mail: s.krooss@kreis-hoexter.de

Einen ersten Eindruck von der Ausstellung bietet ein Flyer, den wir hier zum Download anbieten:

Flyer Lebendige Gewässer in NRW, 1080 KB

Zu den Fragebögen:

Lebendige Gewässer Grundschule, 174 KB
Lebendige Gewässer Sek I, 154 KB
Lebendige Gewässer Sek II, 156 KB
Lehrerbogen, 165 KB

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