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Dr. Charmaine Liebertz fordert mehr Humor: „Lachen und Lernen bilden ein Traumpaar!“

„Eine Pädagogik, in der gelacht wird, ist immer auch eine Bindungspädagogik.“ Dr. Charmaine Liebertz weiß, wovon sie spricht. Kein Wunder, dass die renommierte Buchautorin und international geschätzte Referentin für einen neuen Rekord beim Kreis Höxter gesorgt hat. „Innerhalb von nur zwei Tagen war der Fachtag ausgebucht, das gab es noch nie“, zeigte sich Ulrike Schmidt vom Kreis Höxter, Fachberaterin Tageseinrichtungen für Kinder, begeistert über die großartige Resonanz.

„Humor ist eine Haltung von zweien, die man im Leben haben kann: den Ernst und den Humor. Es ist deshalb sehr traurig, wenn man eine so wichtige Haltung verloren hat.“ Dr. Charmaine Liebertz hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, mit ihren Büchern und Seminaren die Bedeutung des Humors ins Bewusstsein der Menschen zu holen. Mit Bravour machte sie einen weiteren Schritt auf diesem Weg in der Aula des Kreishauses, in der sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kindertageseinrichtungen sowie Kindertagespflegepersonen aus dem ganzen Kreisgebiet genauso wie Vertretern von Grundschulen – darunter Schulrätin Ingrid Dreyer und Schulrat Hubertus Gockeln – eindrucksvoll vor Augen führte, was Humor bewirken kann.

Fachtag Lernen und Lachen
Bei Dr. Charmaine Liebertz (stehend, Mitte) gehört Lachen zum Programm, denn sie sieht den Humor als Haltung und deshalb Lachen und Lernen auch als Traumpaar. Ulrike Schmidt (rechts) vom Kreis Höxter hatte sie in der voll besetzten Aula des Kreishauses in Höxter zum Fachtag begrüßt.

 

Dr. Liebertz ist erfahrene Pädagogin und leitet das Institut der Gesellschaft für ganzheitliches Lernen in Köln. In dieser Stadt wohne sie auch, und darauf sei sie stolz, weil die Rheinländer bekannt seien für ihren Humor. Seit den 70er Jahren beschäftigten sich Gelotologen (Lachforscher) mit den medizinischen, emotionalen und sozialen Wirkungen des Lachens auf den Einzelnen und die Gruppe, erläuterte sie. „Unser Lachen ist der Schlüssel zur Bindung. Es schlägt die Brücke vom Ich zum Du schneller als jedes Wort!“ Kulturübergreifend würde seine kommunikative, ordnende und befreiende Funktion verstanden. „Wer eine humorvolle Pädagogik fördert, steigert die Lernleistung, stärkt das Gruppengefühl und erhält die Lernfreude“, so Dr. Liebertz, für die Lernen und Lachen deshalb als Traumpaar gelten.

Wiederholt machte die Erziehungswissenschaftlerin deutlich, dass sie ein ganzheitliches Menschenbild vertrete – das Lernen mit Kopf, Herz, Hand und Humor. „Zur Schlüsselqualifikation eines modernen Menschen gehört zwar, über ein bestimmtes Maß an Wissen zu verfügen. Aber es wird zunehmend wichtiger, Krisen zu meistern, flexibel und tolerant zu sein, eine gewisse emotionale und soziale Kompetenz zu besitzen“, erläuterte Dr. Liebertz und wies darauf hin, wie sehr heute Teams, kreative Menschen und Querdenker, die eine hohe Frustrationstoleranz haben, gebraucht werden. „Man muss bereit sein, ein Leben lang zu lernen und Interesse zu zeigen.“

Humor verschaffe eine Pause von den Problemen des Alltags und Momente der Befreiung. „Wer lernt, sich über seine Missgeschicke zu amüsieren, anstatt den Ärger in sich hineinzufressen, fördert seine Kreativität und findet leichter Problemlösungen“, gab sie den Teilnehmern mit auf den Weg. „Es geht einfach darum, Freude daran zu haben, einen Menschen zu begleiten. Man sollte sich als Eltern, Lehrer und Erzieher die Frage stellen, welche Werte soll dieser Mensch verkörpern? Er soll Humor haben, intelligent sein, er soll Empathie leben, Interesse an Fremdem haben und eigen- und mitverantwortlich denken und handeln. Der Mensch des 21. Jahrhunderts ist mehr denn je ein Gemeinschaftswesen.“

Man wisse vor allem aus der Hirnforschung, dass man besser lernen könne, wenn die Bindung zum Lehrenden stimme. „Das heißt, von einem Menschen, den ich wertschätze und von dem ich das Gefühl habe, der mag mich und der will mich weiterbringen, von dem bin ich viel eher bereit, etwas zu akzeptieren als von jemandem, der mich bloß unterrichtet.“ Liebe sei der wesentliche Motor von Bindung und Bildung. Heute sollten Pädagogen nicht nur Wissen vermitteln, sondern spüren: Wie geht es dem Kind? Was braucht es? „Das Vertrauen, die Bindung ist entscheidend“, so Dr. Liebertz, „wir haben es ja mit dem gesamten Menschen zu tun, und das haben wir lange Zeit aus den Augen verloren.“

Große Bedeutung maß sie einem regelmäßigen Elternaustausch zu. Dann könnten diese erkennen, dass es bei anderen auch nicht immer aalglatt laufe, und dass zur Erziehung auch Fehler gehörten. Und man sollte gar nicht so verkrampft an die Sache herangehen: „Wichtig ist, viel zu lachen, auch mal über sich selbst. Wir haben das Lachen in der Pädagogik verloren, wir haben die Leichtigkeit und den Humor verloren.“ Auch in der Medizin sei das Lachen lange vernachlässigt worden. Mittlerweile sei bekannt, dass Schmerzen während des Lachens nicht gespürt werden. Außerdem stärke es nachweislich das Immunsystem und könne Genesungsprozesse unterstützen.

Nach dem Vortrag nutzten viele Gäste die Gelegenheit und ließen sich von Buchhändlerin Diana Künne pädagogische Fachliteratur präsentieren.

Ulrike Schmidt sprach der Referentin ihren Dank aus und zog ein durchweg positives Fazit: „Selten haben wir in einer Fortbildung so viel gelacht und gleichzeitig derartig unseren Horizont erweitert. Frau Dr. Liebhertz ist eine hochkarätige Expertin auf ihrem Gebiet. Zudem ist ihr Vortragsstil ein wirklich einzigartiges Erlebnis.“