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Von Gewalt betroffene oder bedrohte Frauen finden Unterstützung

Die Frauenberatungsstelle für den Kreis Höxter hat im September ihre Arbeit aufgenommen. Die in Trägerschaft des AWO-Kreisverbandes Höxter geführte Beratungsstelle bietet Frauen, die von Gewalt betroffen oder bedroht sind, kompetente Beratung und Unterstützung an.

„Häusliche Gewalt ist leider auch im Kreis Höxter eine Realität. Die Frauenberatungsstelle ist daher notwendig und bietet wohnortnah Hilfe an“, erklärt Landrat Friedhelm Spieker. „Die neue Beratungsstelle ist ein wichtiger Baustein im Beratungsangebot des Kreises Höxter“, so der Landrat.

Wege aus der Spirale der Gewalt im häuslichen Bereich - neue Beratungsstelle für Frauen eröffnet: Die beiden Beraterinnen Marion Nawrath (vorn links) und Mareike Stöver (vorn rechts) sowie (hintere Reihe von links) Claudia Pelz-Weskamp, Claudia Bonefeld, Christina Irgang, Wolfgang Kuckuk, Friedhelm Spieker und Gaby Böker.

Der Kreistag hat am 3. September 2015 einstimmig beschlossen, die vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Einrichtung vom kommenden Haushaltsjahr 2016 an mit jährlich bis zu 10.000 Euro zu unterstützen. Das Land übernimmt 85 Prozent der Personalkosten und jährlich 6.000 Euro Sachkosten. Der AWO-Kreisverband trägt mit Eigenmitteln in Höhe von 3.000 Euro pro Jahr zur Finanzierung bei. Der ehrenamtlich tätige Zonta Club Höxter hat zugesichert, die Frauenberatungsstelle jedes Jahr mit 4.000 Euro zu unterstützen. „Das ist ein beachtlicher Beitrag, der durch ehrenamtliches Engagement aufgebracht wird!“, dankt der Landrat der Präsidentin des Zonta Clubs Höxter, Christina Irgang, für die stattliche Unterstützung.

Der Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes Höxter, Wolfgang Kuckuk, erläutert die Zielrichtung des neuen Beratungsangebotes: „Wir beraten zu allen Formen von Gewalt gegen Frauen wie körperliche,  sexualisierte und psychische Gewalt in der Partnerschaft, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch in Kindheit und Jugend oder auch Stalking und Zwangsheirat.“ Zum Konzept sagt er: „Wir leben in einem flächengroßen Kreis. Deshalb möchten wir Beratungsangebote an zunächst drei Orten etablieren, um für die ratsuchenden Frauen gut erreichbar zu sein.“ 

In Bad Driburg, Höxter und Peckelsheim werden die beiden engagierten Beraterinnen Marion Nawrath und Mareike Stöver von Gewalt betroffenen oder bedrohten Frauen kompetente Beratung und Unterstützung vor Ort anbieten. „Wir unterstützen die Ratsuchenden, für sich und für ihre Kinder Entscheidungen treffen zu können und einen Weg aus der Gewaltspirale zu entwickeln“, konkretisieren die Beraterinnen die Beratungsziele. Möglich sei auch eine Beratung an einem von der ratsuchenden Frau gewünschten Ort. 

Zu den weiteren Aufgaben der Frauenberatungsstelle gehören die Öffentlichkeitsarbeit und die Zusammenarbeit mit Einrichtungen, die beruflich oder ehrenamtlich gewaltbetroffene Frauen beraten und unterstützen. „Wir wollen die vernetzte Zusammenarbeit deutlich verstärken“, so die beiden Beraterinnen.

Für die Einrichtung der Frauenberatungsstelle haben sich neben dem Zonta Club auch der Arbeitskreis gegen Gewalt an Frauen und Kindern sowie die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Höxter eingesetzt. Hintergrund: Bislang gab es im Kreis Höxter keine spezialisierte Beratungsstelle, an die sich gewaltbetroffene Frauen wenden konnten. Deshalb mussten sie sich in ihrer schwierigen Lebenssituation meist erst auf eine aufwendige Suche nach einer Beratungseinrichtung begeben, bei der sie die notwendige Hilfe erhoffen konnten.

Gaby Böker, Gleichstellungsbeauftragte bei der Kreisverwaltung Höxter freut, dass nach langem Ringen mit dem Land die Förderzusage erteilt wurde. „Für den Kreis Höxter ist dieses neue Angebot ein überfälliger Lückenschluss.“ Sie begrüßt, dass die AWO mit drei Beratungsstandorten an den Start geht. „So haben Ratsuchenden in ihrer belasteten  Lebenssituation keine langen Wege.“ Sie dankte dem Zonta Club und dem Arbeitskreis gegen Gewalt an Frauen und Kindern für die Mitwirkung an der Konzeption.

„Mit der Frauenberatungsstelle etablieren wir für betroffene Frauen einen Notausgang aus der Gewaltspirale“, begründen die Präsidentin des Zonta-Clubs Höxter, Christina Irgang, und die Vizepräsidentin Claudia Bonefeld die hohe finanzielle Unterstützung der Frauenberatungsstelle durch den ehrenamtlich wirkenden Serviceclub. Die 4.000 Euro jährlich werde der Zonta Club Jahr für Jahr durch Mitgliedsbeiträge, Erlöse aus Benefizveranstaltungen und Spenden aufbringen. 
 

Zahlen und Fakten zur Gewalt gegen Frauen im häuslichen Bereich

Rund 25 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren haben mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch Beziehungspartnerinnen und Beziehungspartner erlebt. Dies zeigt die 2004 veröffentlichte repräsentative Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland". 
Die Kreispolizeibehörde Höxter meldete 128 polizeiliche Einsätze im Bereich der häuslichen Gewalt im Jahr 2013. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen liegt die Zahl der Betroffenen, so die Kreispolizeibehörde, mindestens um den Faktor 10 höher.

Das Spektrum der Übergriffe ist breit, wie die bundesweite Studie zeigt. Die Übergriffe reichen von wütendem Wegschubsen und Ohrfeigen bis hin zum Schlagen mit Gegenständen, Verprügeln und Gewaltanwendungen mit Waffen. Zwei Drittel der von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen haben schwere oder sehr schwere körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlitten. 

Frauen sind demnach von häuslicher Gewalt mehr bedroht als durch andere Gewaltdelikte wie Körperverletzung mit Waffen, Wohnungseinbruch oder Raub. 

Zu den Risikofaktoren gehören neben Trennung oder Trennungsabsicht auch Gewalterfahrungen in der Kindheit und Jugend. 

Nicht nur in sozialen Brennpunkten sind Frauen  von Gewalt im häuslichen Bereich betroffen. Die Studie "Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen", die in 2009 veröffentlicht wurde, belegt, dass auch Frauen in mittleren und hohen Bildungs- und Sozialschichten in einem viel höheren Maß Opfer von Gewalt werden, als dies bislang bekannt war.


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