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Kreis Höxter rät: Augen auf beim Hundekauf!

Hundewelpen sind süß, knuddelig – und oft teuer: „Je nach Rasse kann ein Welpe durchaus bis zu 2.000 Euro kosten“, sagt Dr. Tschachtschal, Leiter des Veterinärdienstes des Kreises. Im Internet hingegen warte so manches Schnäppchen. „Doch das ist mit Vorsicht zu genießen! Denn immer wieder werden deutschlandweit Fälle von illegalem Welpenhandel aufgedeckt.“

Insider sprechen bereits von einer Hundemafia: Junge Welpen werden von Zwischenhändlern in Osteuropa angekauft und in Deutschland vergleichsweise günstig angeboten. Die Hunde werden dort unter unwürdigen Verhältnissen aufgezogen, in sogenannten Hundevermehrerstationen. Das Leid der Tiere wird dort mit einkalkuliert: Muttertiere sind Gebärmaschinen, viele Welpen sind krank - auch wenn Dokumente und Impfpass das Gegenteil behaupten. Diese Papiere sind häufig gefälscht, oft auf professionellem Niveau.

Dr. Jens Tschachtschal

Daher kann die Freude über den neuen Vierbeiner ein jähes Ende finden, wenn nach dem Kauf plötzlich schwerwiegende Infektionserkrankungen auftreten, darunter zum Beispiel Parvovirose. „Dann können immense Kosten für die Behandlung des Tieres anfallen“, macht Dr. Tschachtschal deutlich, „am Ende sind diese Welpen trotzdem häufig nicht zu retten und verenden.“ Bei Hundewelpen aus Osteuropa sei außerdem zu bedenken, dass dort die auch für den Menschen hochansteckende und tödlich verlaufende Tollwut immer noch weit verbreitet sei. „In vielen Fällen werden Welpen aus diesen Ländern aber ohne die gesetzlich vorgeschriebene Tollwutschutzimpfung eingeführt.“ 

Zuständig für die tierschutzrechtliche Überwachung von Hundezüchtern und -händlern sind die Veterinärämter. Bei einem aktuellen Fall wurden die Mitarbeiter des Kreises Höxter bei einer Überprüfung mit drastischen Bildern konfrontiert. Diese war notwendig geworden, weil wiederholt Beschwerden von Käufern beim Veterinärdienst des Kreises eingegangen waren, dass die gekauften Welpen im Nachgang teilweise schwerwiegend erkrankten. Auch der Vorwurf über gefälschte Zuchtpapiere wurde mehrfach erhoben. „Bei unseren Überprüfungen des Hundehandels mussten wir immer wieder feststellen, dass Welpen, die aus eigener Nachzucht stammen sollten, tatsächlich aus ungeklärten Herkünften – wahrscheinlich aus dem Ausland – zugekauft worden sind“, erläutert Dr. Tschachtschal.

Außerdem wurden die Haltungsbedingungen vor Ort systematisch verschleiert. Mit verschiedenen Maßnahmen haben die Hundehändler versucht, Kontrollen des Veterinärdienstes zu verhindern. „Erst im Rahmen einer Hausdurchsuchung wurde offenkundig, dass Welpen unter absolut tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen in dunklen Kellerräumen gehalten wurden“, berichtet Dr. Tschachtschal. „Selbst nachdem wir den Handel mit Hunden untersagt und zusätzlich ein generelles Hundehaltungs- und Betreuungsverbot erteilt hatten, wurde auf verschiedenen Wegen versucht, den Handel illegal fortzuführen. Hier wird mit einer Dreistigkeit und teilweise kriminellen Energie agiert, die ihres Gleichen sucht“, macht Dr. Tschachtschal seinem Ärger Luft. „Dieses Geschäft ist offensichtlich so lukrativ, dass selbst hohe Buß- und Strafgelder keine abschreckende Wirkung zeigen.“

Der Veterinärdienst bittet deshalb um Vorsicht beim Welpenkauf. Ein Kauf aus Mitleid ist keine Lösung, weil man damit letztlich das Geschäft solcher unseriösen und illegalen Händler unterstützt
 

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Was jeder beim Kauf von Hundewelpen beachten sollte, hat Tierarzt Dr. Georg Mennemeier, zuständig für den Bereich Tierschutz beim Veterinärdienst, an dieser Stelle zusammengefasst:

  • Wird der angebliche Rassehund zu einem viel günstigeren Preis angeboten als marktüblich, ist generell Vorsicht geboten.
  • Die Übergabe sollte unbedingt beim Züchter zuhause stattfinden – nicht an neutralen Orten wie Parkplätzen.
  • Lassen Sie sich auch die Unterbringung der Hunde zeigen.
  • Wie verhalten sich die Elterntiere? Bestehen Sie darauf, das Muttertier zu sehen. Muttertiere erkennt man am ausgebildeten Gesäuge.
  • Stutzig werden sollte man, wenn sehr viele Tiere angeboten werden, womöglich auch noch unterschiedliche Rassen.
  • Welpen sollten vor dem Verkauf geimpft, entwurmt und mit Mikrochip gekennzeichnet sein. Prüfen Sie den Impfpass auf Vollständigkeit und Plausibilität. Im Zweifel vor dem Kauf einen Tierarzt einschalten.
  • Die Welpen müssen mindestens acht Wochen alt sein, besser zehn Wochen. Erst dann sind sie alt genug, um die Trennung vom Muttertier zu verkraften.
  • Ein seriöser Züchter möchte wissen, bei wem seine Hunde landen, stellt entsprechende Fragen und gibt Tipps. Er wird das ausführliche Gespräch zwischen Hundefreunden suchen. Vorsicht also, wenn der Verkäufer soziales Desinteresse zeigt.
  • Wirkt der Welpe gesund und gepflegt? Gesunde Welpen sind lebhaft und neugierig, kommen auf Sie zu – und nehmen nicht Reißaus.
  • Wenn Sie Zweifel an der Seriosität des Händlers haben, sollten Sie vom Kauf absehen und das zuständige Veterinäramt informieren.