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Riesenbärenklau – eine gefährliche Schönheit breitet sich aus

Kreis Höxter warnt vor Verbrennungsgefahr:
Unbedingt direkten Hautkontakt mit Riesenbärenklau vermeiden!

Der Kreis Höxter warnt vor den Tücken des Riesen-Bärenklau, auch „Herkulesstaude“ genannt. Denn dieser botanische Neubürger ist für Menschen nicht ganz unproblematisch: „Die Berührung der Pflanze mit der bloßen Haut in Verbindung mit Sonnenlicht kann zu schlimmsten Verbrennungen führen!“ Weitere gesundheitliche Auswirkungen können nicht ausgeschlossen werden.

„Seit Jahrzehnten ist in unserer Landschaft zu beobachten, dass sich eine imposante Riesenpflanze immer stärker ausbreitet“, erläutert Umweltdezernent Kreisdirektor Dr. Ulrich Conradi. Ursprünglich aus dem Kaukasus stammend, wurde der gärtnerisch sehr attraktive Riesenbärenklau – auch als Herkulesstaude bekannt – von Pflanzenliebhabern in Europa zur Bereicherung von Gärten und Parks aktiv angesiedelt. Auch Imker schätzten die bis zu vier Meter hoch wachsende Pflanze, deren riesige Blütendolden eine hervorragende Bienenweide darstellen.

In letzter Zeit wich die Euphorie für diese Pflanze der nüchternen Erkenntnis, dass der Riesenbärenklau sich nicht nur rasant verbreitet und damit die heimischen Pflanzen verdrängt, sondern darüber hinaus auch noch sehr gefährlich für die Gesundheit von Mensch und Tier ist. „So kann die Berührung der Pflanze mit der bloßen Haut in Verbindung mit Tageslicht/ UV-Licht zu schlimmsten Verbrennungen führen“, warnt Dr. Kathrin Weiß, Leiterin der Abteilung Umweltschutz. Verantwortlich hierfür sind die Inhaltsstoffe vom Riesenbärenklau, denn diese phototoxisch wirkende Furanocumarine, setzen in Verbindung mit UV-Licht den natürlichen Lichtschutzfaktor der menschlichen Haut herab.

Imposante Höhe - die Riesenbärenklaupflanze

Ulrich Wycisk vom Gewässerentwicklungsprojekt des Kreises Höxter begutachtet eine Gruppe von Riesenbärenklaupflanzen, die eine imposante Höhe erreichen.

Das tückische daran ist, dass die Berührung, entgegen der bekannten Wirkung des Kontaktes mit einer Brennnessel, zunächst gar nicht schmerzhaft ist. Erst mitunter einen Tag später kann es zu Hautrötungen und anschließender Blasenbildung kommen. Diese Wunden verheilen sehr langsam und sind zudem äußerst schmerzhaft. Besonders sind Kinder gefährdet, da sie in Ihrer Unwissenheit gern in „Riesenbärenklauwäldern“ spielen oder zum Beispiel die riesigen, hohlen Pflanzenstängel als Blasrohre benutzen. Kommt es später zu Hautirritationen oder Verbrennungen, werden diese Verletzungen oft gar nicht mit der Pflanze in Zusammenhang gebracht!

Bei Berührung mit der Pflanze sollte die betroffene Hautstelle sofort aus dem Tageslicht gebracht, abgedeckt und dann gründlich mit Seife abgewaschen werden. Die betroffene Stelle sollte zudem für mindestens vier bis acht Wochen nicht mehr dem Sonnenlicht ausgesetzt und regelmäßig mit Sonnencreme behandelt werden. Unter Umständen ist sogar eine hautärztliche Behandlung anzuraten, denn die Verbrennungen  heilen nur langsam ab und können Narben sowie Pigmentierungen hinterlassen.

Dass der Riesen-Bärenklau keine natürlichen Feinde wie Fressschädlinge oder Parasiten hat und darüber hinaus auf allen Böden wächst, macht ihn ausgesprochen konkurrenzstark gegenüber der natürlichen Umgebung. Sein riesiger Wuchs und die Fähigkeit, gewaltige Mengen an Samen auszubilden, verdrängen heimische Pflanzen und die daran gebundene Tierwelt. Daher wird der Riesen-Bärenklau auch im Kreis Höxter in den letzten Jahren aktiv bekämpft. So sind auch regelmäßig Mitarbeiter des Gewässerentwicklungsprojektes des Kreises Höxter an Gewässern im Einsatz, um vor allem die Ausbreitung der Pflanze entlang von Bächen zu verhindern. Einzelne Pflanzen oder kleine Gruppen werden per Teleskopsäge niedergelegt und anschließend wird die rübenartige Speicherwurzel mit dem Spaten ausgegraben.

„Leider ist es damit nicht getan, denn der zwei- bis vierjährige Riesenbärenklau verfügt über ein reichhaltiges Samenpotenzial, weshalb unter abgestorbenen Pflanzen stets eine Vielzahl von jungen Pflanzen nachwachsen“, erläutert Projektleiter Ulrich Wycisk. „Eine erfolgreiche Bekämpfung von Riesenbärenklau-Beständen kann daher mehrere Jahre, ja sogar Jahrzehnte andauern, denn die Samen bleiben mitunter bis zu 30 Jahre lang keimfähig.“ Neben dem Kreis Höxter haben sich auch weitere Institutionen, Vereine sowie Einzelpersonen die Bekämpfung des Riesenbärenklaus auf die Fahnen geschrieben, so dass eine flächendeckende Ausbreitung im Kreisgebiet bisher verhindert werden konnte. Im Bereich von öffentlichen Flächen erfolgt die Bekämpfung in der Regel durch geschulte Mitarbeiter der Städte sowie des Kreises.

Eine geeignete Methode zur Bekämpfung von Riesenbärenklau ist das vorsichtige Abschneiden und Umziehen des hohlen Stängels mit Hilfe einer drei bis vier Meter langen Stangensäge, um einen Kontakt mit der Pflanze zu vermeiden. Anschließend kann die rübenartige Wurzel gefahrlos mit dem Spaten ausgegraben und über den Restabfall entsorgt werden. „Keinesfalls darf die ausgegrabene Wurzel mit Boden in Kontakt kommen. Damit die Wurzel nicht wieder austreibt, wird von einer Entsorgung über den Kompost abgeraten“, empfiehlt Wycisk. „Die Bekämpfung sollte idealerweise in den Morgen- oder Abendstunden oder bei bedecktem Himmel erfolgen, um eine Gesundheitsgefährdung auszuschließen. Von einer Bekämpfung mit Rasentrimmern oder Motorsensen wird dringend abgeraten, da hierbei die Gefahr durch wegspritzende Pflanzensäfte zu groß ist!“

Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die gefährliche Pflanze nicht mit dem viel kleineren, heimischen Wiesenbärenklau verwechselt wird. „Dieser sieht dem Riesenbärenklau manchmal recht ähnlich, er ist jedoch harmlos und darf nicht bekämpft werden! Neben seiner geringeren Größe kann man den Wiesenbärenklau auch anhand der dunkleren, zumeist blaugrünen, nicht geschlitzten Blätter vom Riesenbärenklau unterscheiden“, erklärt Ulrich Wycisk.

Nähere Informationen zum Thema Riesenbärenklau sowie dessen fachgerechte Bekämpfungsmöglichkeiten finden Sie auch unter folgenden Verlinkungen:


Bei Fragen kann man sich aber auch telefonisch an Ulrich Wycisk vom Kreis Höxter wenden, er ist unter der Telefonnummer 05271 / 965-4468 zu erreichen.



Riesenbärenklau
(Heracleum mantegazzianum)

  • Herkunft: Kaukasus
  • Höhe: drei bis vier Meter
  • Lebensdauer: zwei- bis vierjährig, stirbt nach der Blüte ab.
  • Blüte: Doldenblüter, riesige Blüten bis zu einem Meter Durchmesser, Juni - August
  • Samen: bis zu 50.000 an einem Blütenstand, 20 bis 30 Jahre keimfähig.
  • Blätter: riesige, hellgrüne, auffällig geschlitzte, bis zu einem bis zwei Meter große Blätter
  • Inhaltsstoffe: Furanocumarine in allen Teilen der Pflanze, wirkt in Verbindung mit UV/ Sonnenlicht auf der Haut phototoxisch, was Hautirritationen sowie schwere Verbrennungen zur Folge haben kann.