Direkteinstieg in:

Politik & Verwaltung Presse

Veterinärdienst des Kreises Höxter ruft zur Kastration von Katzen auf

Unkontrollierte Vermehrung wird zum Problem
Appell an die Verantwortung von Tierhaltern

Katzenbabys mit ihren großen Augen sind wie alle Tierkinder einfach niedlich. Doch das sollte die Menschen im Kreis Höxter nicht davon abhalten, vernünftig zu handeln, appelliert Dr. Jens Tschachtschal, Leiter der Abteilung Veterinärdienst des Kreises Höxter: „Wer seiner Katze Freigang gewährt, muss unbedingt dafür sorgen, dass sie keinen ungewollten Nachwuchs in die Welt setzt.“

In den letzten Jahren ist die Zahl der Hauskatzen und verwilderten Katzen durch  unkontrollierte Vermehrung deutschlandweit stetig gestiegen. Viele dieser Katzen leben mittlerweile in einem Umfeld, in dem eine umfassende Versorgung und Pflege nicht mehr gewährleistet ist. Dies gilt besonders für dauerhaft frei lebende Katzen. Die Kastration aller freilaufenden Katzen und Kater, der sogenannten „Freigänger“, ist der einzig geeignete und tierartgerechte Weg aus diesem Kreislauf.

„Aus diesem Grund werden alle Halter von Katzen und Katern dringend gebeten, ihre freilaufenden Tiere frühzeitig kastrieren zu lassen“, sagt Dr. Tschachtschal, „denn leider gibt es immer noch zahlreiche Katzenhalter, die eine unkontrollierte Vermehrung in Kauf nehmen.“ Die Folge sind Überpopulation und Verwahrlosung: kranke Jungkatzen, ausgemergelte Mutterkatzen und streunende Kater. Darunter leiden vor allem die zunehmend überforderten Tierheime, deren Spendenaufkommen sinkt, während immer mehr Tiere aufgenommen werden müssen. „Im Bad Driburger Tierheim sind derzeit über 100 Katzen untergebracht, die Kapazität ist damit ausgeschöpft“, verdeutlicht Dr. Tschachtschal den Ernst der Lage.

Verwilderte Katze

Alle verwildert lebenden Katzen stammen von Hauskatzen ab, deren Fortpflanzung nicht kontrolliert wurde. Einige Städte haben aus diesem Grund bereits eine Kastrationspflicht für Katzen eingeführt.
Foto: Deutscher Tierschutzbund

Katzen sind mit fünf bis zehn Monaten geschlechtsreif; eine weibliche Katze bekommt bis zu dreimal im Jahr ein bis sechs Junge. Als domestizierte Haustiere sind Katzen kaum in der Lage, sich und ihre Nachkommen vollständig alleine zu versorgen. Not und Leid für all diese Tiere sind ohne menschliche Fürsorge praktisch vorprogrammiert. Deswegen haben sich auch die Tierschützer längst eindeutig positioniert, wie zum Beispiel der Deutsche Tierschutzbund: „Als Tierfreunde dürfen wir das nicht zulassen. Es gibt nur einen einzigen Weg, das Elend der Tiere zu beenden: die konsequente Kastration der frei lebenden Katzen und der Hauskatzen mit Freigang.“

Alle verwildert lebenden Katzen stammen von Hauskatzen ab, deren Fortpflanzung nicht kontrolliert wurde. Die ausgesetzten wie die bereits frei lebenden jungen Katzen werden sich wieder vermehren – die Spirale läuft weiter und das Katzenelend wächst von Wurf zu Wurf.

„Die Kastration der Katzen ist nicht nur ein Gebot des Tierschutzes. Vielmehr liegt sie auch im Interesse der Öffentlichkeit, die durch eine übermäßige Katzenpopulation mit Kosten belastet wird“, appelliert Dr. Tschachtschal an das Verantwortungsbewusstsein der Tierhalter. Katzen und Kater können ab dem sechsten Lebensmonat kastriert werden. Es handelt sich um einen einfachen Eingriff, der frühzeitig durchgeführt werden sollte. Die Kastration ist für die Tierärztin oder den Tierarzt ein routinemäßiger Eingriff, der unter Narkose durchgeführt und von den Katzen gut verkraftet wird.


Hintergrund:
Katzenplage – Städte führen Kastrationspflicht ein

Tierheime platzen aus allen Nähten, verwilderte Katzen belagern Spielplätze, Gartenbesitzer klagen über Verwüstungen und stinkende Hinterlassenschaften durch herumstreunende Katzen: Einige Städte haben aus diesem Grund bereits eine Kastrationspflicht für Katzen eingeführt. Außerdem müssen Katzen dort einen Chip tragen, so dass Fundtiere zugeordnet werden können.

In die Pflicht genommen werden sollen aber nicht nur Katzenhalter, sondern auch Personen, die die Streuner – durchaus wohlmeinend – füttern. Denn auch diese unterstützen die explosionsartige Vermehrung der Samtpfoten. Seit Jahren steigt die Zahl verwilderter Straßenkatzen in deutschen Städten. Insgesamt schätzt der Tierschutzbund, leben etwa zwei Millionen Katzen in Industriebrachen, Wäldern und auf Bauernhöfen. Dazu kommen etwa acht Millionen Hauskatzen, die größtenteils nicht kastriert sind. Da diese Tiere frei herumlaufen, tragen sie ebenfalls zur raschen Fortpflanzung der Katzen bei.